Serkan Kaya aus We Will Rock You im Gespräch mit Events-und-Trends!

Liebe Leser von events-und-trends, exklusiv bei uns stellen wir Euch in Zukunft das Ensemble von Deutschlands erfolgreichstem Musical We Will Rock you vor. Die in ferner Zukunft spielende Geschichte ist unterlegt mit den legendären Queensongs, die Rollen sind besetzt mit Künstler verschiedenster Herkunft. Bereits veröffentlicht sind die Interviews mit Hauptdarsteller Alex Melcher (http://www.events-und-trends.de/data/3050354.html und Michaela Kovarikova ( http://www.events-und-trends.de/data/michaela_ kovarikova_aus_we_will_rock_you_im_gespraech.html).

Die Hauptrolle des Galileo Figaro wird aber auch von Serkan Kaya gespielt. Der in Deutschland aufgewachsene Türke studierte Schauspiel und Musical an der Folkwang-Hochschule in Essen und beendete dieses mit Diplom. Sein künstlerisches Talent ist damit sehr facettenreich: Mit seiner damaligen Rockband Estonia Fantasies war er unter anderem auf den Leverkusener Jazztagen zu erleben, gemeinsam produzierten sie eine CD.

Als Schauspieler begann er mit Rollen in klassischen Shakespeare Inszenierungen. Sein erstes Musical Engagement verpflichtete ihn an das Capitol Theater Düsseldorf, wo er sicherlich auch auf Grund der äußerlichen Erscheinung den Kubaner Emilio in Miami Nights verkörperte. Während des Musical-Sommers in Amstetten spielte Serkan Kaya dort den Ren Macormack in Footlose. In seiner Traumrolle des Judas inJesus Christ Superstar, sah man ihn in Passau. Danach stand der flexible Künstler mehrmals in der Woche in Wien und Köln auf der Bühne: Als Lucheni in Elisabeth am Theater an der Wien, welches im Dezember 2005 zuletzt aufgeführt wurde, dazu zweimal die Woche als Galileo Figaro in We Will Rock You im Musical Dome Köln. Wir sprachen mit ihm über das Doppelengagement, seinen Beruf, Heartbreak Hotel, warum böse Rollen reizvoller sind und das Leben in einer multikulturellen Gesellschaft.

Mich reizen Figuren, die mir als Schauspieler die Möglichkeit bieten, seelische Abgründe zu zeigen…

Lieber Serkan Kaya.
Was verbindet Dich persönlich mit der Musik von Queen?

Diese Musik begleitet mich mein ganzes Leben. Es sind die Songs, die ich zum ersten mal bewusst gehört habe, seltsamer Weise in einer Mischung mit anderen Künstlern, wie George Michael. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, das es dieses Konzert mit Queen gab als Freddie Mercury gestorben ist, wobei George Michael „Somebody to love“ sang und alle dachten, er wird der neue Frontmann. So trafen meine damaligen Favoriten zusammen und zu jedem Anlass passt ein Song von Queen, den ihr Repertoire ist so vielseitig.

Gibt es im Musical eine Lieblingsszene?

Szenisch gesehen liebe ich `Wasteland`, das ist die Situation, als Scaramouche und Galileo aus dem Krankenhaus abhauen und dann wieder auf die Bühne kommen. Galileo spricht die ganze Zeit auf sie ein und Scaramouche haut ihm einen Gag nach dem anderen rein. Schließlich kommen noch JB und Ozzy dazu und diese Szene mit Vera Bolten (Scaramouche), DMJ (JB) und Michaela Kovarikova (Ozzy) macht mir besonders viel Spaß.

Was verbindest Du mit Galileo? Hat diese Rolle etwas mit Dir zu tun?

Ich denke, es ist schon die Aufgabe eines Darstellers, einen Punkt zu finden, in dem diese beiden Leben, die unterschiedlicher nicht sein können, sich doch überschneiden. Bei mir war es so, wie viele Rollen, die ich bisher spielte, dass ich als Gastarbeiterkind schon durch mein anderes Aussehen weiß, wie es ist ein Außenseiter zu sein. Zum Beispiel kannte ich als Kind Ostern und Weihnachten nicht, wieso sich Menschen an solchen Tagen beschenken, war mir fremd, ich wusste davon nichts. Diesem fremd sein habe ich mich aber selbstbewusst gegenüber gestellt um nicht wirklich ein Außenseiter zu sein. Genau das ist Galileo: Er fühlt und denkt anders, also ist er kein Rebell aus Trotz, sondern wegen seiner Andersartigkeit.

Er fühlt und denkt nicht wie die anderen Figuren in Eurem Musical. Er hört Worte und Musik, welche ihm fremd sind. Wie ein Mensch, der durch eine psychische Erkrankung, andere Wahrnehmungen hat, sozusagen Stimmen hört, die ihm unmögliche Dinge zuflüstern.

Er sagt ja auch: „Es quält mich“. Sicher können wir alle nachvollziehen, wie es ist, zu spüren, dass etwas in der Gesellschaft nicht richtig ist. Auf dieser Suche nachdem was mit ihm los ist und auf der Suche nach seines gleichen findet er Scaramouche, die der wichtigste Mensch in seinem Leben wird. Er gibt ihr diesen außergewöhnlichen Namen und nennt sich selbst
Galileo Figaro. Damit erkennt er sich selbst als Individuum an. Das ist ein sehr interessanter Moment in unserer Inszenierung.

Du hast angesprochen, dass es nicht einfach war, fremd aufzuwachsen. Ist die Schauspielerei eine Art Flucht davor gewesen?

Es gibt viele Darsteller, die in den Beruf des Schauspielers flüchten, um jemand anders zu sein, um nicht derjenige selbst, also nicht ich zu sein. Andere gehen auf die Bühne um sich zu zeigen, um diese Probleme, die sie bewältigen müssen, dort zu verarbeiten. Davon halte ich nicht viel, denn es ist das große Glück oder auch Pech, als Gastarbeiterkind aufzuwachsen. Durch diese Doppelkultur konnte ich viele Facetten in mir entdecken, die ohne den Beruf vielleicht immer im Verborgenen geblieben wären. Denn Schauspieler zu sein bedeutet auch, viele Auseinandersetzungen mit sich selbst und dem, was man erlebt hat.

Bist Du als Kind aus der Türkei nach Deutschland gekommen?

Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Dadurch konnte ich als erster von unserer Familie perfekt deutsch. Meine Brüder sind vier uns sechs Jahre älter, verheiratet und haben beide schon Kinder, wodurch ich mich also schon von ihnen unterscheide, was wieder einer Art Außenseiter in der eigenen Familie gleich kommt. Es gibt also Schauspieler, die sich hinter einer Rolle verstecken, oder die sich zeigen. Ich bin derjenige, der sich versteckt zeigt, in gewissen Situationen bestimme komplett ich wie ich bin oder zeige Galileo und erzähle so die Geschichte eines Freundes.

Und dabei ist Galileo auch noch eine sehr liebe Figur und witzig gespielt, ein sympathischer Charakter für die Zuschauer. Andere Rollen von Dir sind genau das Gegenteil. Ich habe gelesen, dass Judas in Jesus Christ Superstar Deine Traumrolle ist.

Mich reizen Figuren, die mir als Schauspieler die Möglichkeit bieten, seelische Abgründe zu zeigen und davon hat Judas eine Menge. Der Luigi Lucheni in Elisabeth hat natürlich auch sehr viele seelische Abgründe, schließlich hat er ja eine Frau ermordet. Aber diese Rolle funktioniert in dem Musical nur als Erzähler, als Conferencier. Judas aber kann sich ganz auf den Konflikt verlassen. Das Stück ist so gut geschrieben, Musik und Text so begleitend dazu, dass ich mich als Darsteller viel intensiver darauf einlassen kann.

Den Lucheni hast Du ja parallel zu Deinem Kölner Engagement in Wien gespielt. Wie ist es zu diesem Doppelengagement gekommen?

Als die Auditions für WE WILL ROCK YOU stattfanden, hatte ich einige Tage Urlaub. Also dachte ich mir, da gehe ich mal vorbei und lerne so Brian May, Roger Taylor und Ben Elton kennen. Schwierig wurde es dann, als die mich tatsächlich für die Hauptrolle engagieren wollten, denn die Leute vom Wiener Burgtheater ließen mich nicht aus dem Vertrag. Schließlich hat sich sogar der Manager von Queen eingeschaltet und verhandelte mit denen. So einigten sie alle darauf, dass ich den Galileo zweimal in der Woche in Köln spiele, zu den anderen Vorstellungen aber in Wien auf der Bühne stehe. Das war natürlich eine große Chance für Alex Melcher und für mich. Dafür hatte ich dann aber auch in sieben Monaten nur neun Tage frei, an den gesetzlichen Feiertagen. Seit dem im Dezember die letzte Vorstellung für Elisabeth stattfand, kann ich auch ein privates Leben wieder genießen.

Viele Deiner Kollegen haben noch eigene Musik Projekte. Gibt es bei Dir denn auch Ideen oder Pläne, die nicht mit diesem Musical zu tun haben und Dir ein Privatleben ermöglichen?

Den Schauspielberuf habe ich vor allem aus Leidenschaft gelernt. Trotzdem möchte ich nicht mein ganzes Leben auf der Bühne stehen, sondern später auch selbst unterrichten. Die Themen in meinen Seminaren werden Schauspielführung sein: “ Wie komme ich dazu einen Song zu singen, wenn ich davor gesprochen habe? Welche Motivation bringt mich dahin?“ Außerdem ist ein Soloprogramm geplant aber auch eine Art Kammerstück mit drei bis vier Leuten. Diese Umsetzungen sind noch in Arbeit. Im August möchte ich außerdem im Opernhaus Essen Jesus Christ Superstar in einer inszenierten Version spielen. Natürlich werde ich dabei wieder den Judas spielen.

Ein gemeinsames Projekt von Euch allen sind die monatlichen Gratiskonzerte
Heartbreak Hotel nach einer Musicalvorstellung. Dadurch, dass diese im Bistro des Foyers des Musicals Dome stattfinden, seid ihr so nah an den Zuschauern, die ihr zuvor drei Stunden begeistert habt.

Wir sind ein Ensemble, das fest zusammenhält, jeder steht hinter jedem, wir stärken uns gegenseitig. Das beginnt beim Pförtner und geht rauf bis zum Produzenten. Unsere Gratiskonzerte sollen bedeuten: “ Das ist unser Leben, wir singen für Euch und für uns.“

Lieber Serkan Kaya, das ist ein wunderschönes Schlusswort und sicher ein großes Kompliment an die vielen begeisterten Zuschauer.

Das nächste Gratiskonzert ist für Mai geplant.

Informationen über Hauptdarsteller Serkan Kaya finden sich auf seiner Homepage www.serkankaya.net, oder unter www.queen-musical.de/cast.html und www.wwry-online.de/aktuelle_besetzung.htm.
Viele weitere Artikel über das Queenmusical WE WILL ROCK YOU sind außerdem bei uns veröffentlicht, zu finden unter der Rubrik `Berichte suchen ` bei Eingabe des Namens `queen-musical`.

An dieser Stelle ein herzliches Danke Schön an Serkan Kaya und Cristina Lück für die gute Zusammenarbeit.

Interview by Olaf Demmerling

Fotos Copyright by BB Promotion.

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