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Marie Serneholt / Enjoy the ride

Oh Nachtigall ick hör Dir trapsen! Zumindest hast Du letzte Nacht mit dünnem Stimmchen und dickem Makeup meinen CD-Player heimgesucht. Ich frage mich, was sich Marie gedacht hat, als sie im Studio stand und ihr erstes Soloalbum einsang. Dachte sie darüber nach, dass sie zwar nicht mehr  ganz so jung ist aber das Geld immer noch braucht? Oder darüber, dass es ein Leben nach den A*Teens geben muss?

Ich befürchte fast, die Grundgute hat sich bei dem ganzen Ding gar nichts gedacht, denn ein Leben nach den A*Teens hatte sie ja schon und das war gar nicht mal so übel.

Für die, bei denen sich schon gnädige Verdrängung über die Erinnerung an besagte Teeny-Pop-Combo gelegt hat, mal kurz ein bisschen was zum auffrischen. Die A*Teens kamen irgendwann in den späten 90ern raus und wurden recht schnell mit einem Haufen Abba-Tribute-Coversongs  bekannt. Ihr Management hat sich dann auch gleich gedacht, dass da ´ne Menge zu holen ist und so produzierten die A*Teens innerhalb von fünf Jahren vier Studioalben, verkauften davon ca. fünf Millionen!! Kopien und absolvierten in dieser Zeit ca. vierhundert Auftritte pro Jahr. Das ist eigentlich wie Zwangsarbeit in Sibirien oder Baumwolle auf Tara pflücken. Anyway. Optisch kann man sich die A*Teens ein bisschen wie die Chips vorstellen: zwei hübsche Mädchen, eine hell und eine dunkel, die sangen und knappe Stretchoutfits trugen, dazu zwei Typen im Hintergrund, der eine hell und der andere dunkel, die etwas betrieben, das wie improvisierter Ausdruckstanz wirkte, dazu wurden dann die Lippen bewegt, singen dürften die Jungs nämlich nicht. Hm, je länger ich da Vergleiche ziehe, um so mehr könnte ich Stein und Bein schwören, die Chips sind aus dem Zeug gemacht worden, das damals übrig blieb, als man die A*Teens zusammengeschraubt hat. 

Musikalisch waren die A*Teens zuerst Abbaorientiert und später, als sie dann „erwachsen“ waren und selber was machen wollten, halt fröhlich-bunter Schwedenpop. Dagegen ist eigentlich nichts zu sagen. Ich selbst finde Abba sehr cool. Ich würde mir zwar nie ein Album von denen kaufen aber, wenn was von ihnen im Radio läuft, freue ich mich , wippe ein bisschen mit den Füßen und summe den Rest des Tages „ Dancingqueen“ oder „ Mama mia“ vor mich hin. Als dann die A*Teens die alten Abba Sachen aus der Mottenkiste holten und mit schnellen Beats unterlegten, fand ich das auch cool. Ich hätte zwar auch von denen nichts gekauft, freute mich aber dennoch, wenn ich was von ihnen hörte und wippte ein bisschen, diesmal mit den Hüften, und summte…na ja..ihr wisst schon.

Dann kamen die a*teenesken Eigenkreationen und mein Interesse ging. Vor ca. drei Jahren gingen dann auch die A*Teens. Der Vorhang fiel und fortan gingen die ehemals besten Freunde getrennte Wege. Maries Weg führte über eine Menge Laufstege, sie war nämlich eine Zeitlang ein sehr gefragtes Model. Warum hat ihr das nicht gereicht? Ich meine, tausende Mädchen wollen Model werden! Das hätte sie doch erfüllen müssen!!!

Stattdessen serviert sie uns „ Enjoy the ride“ . Nun, über Geschmack lässt sich angeblich nicht streiten, trotzdem frage ich mich, ob so manche Musikzeitschrift ein anderes Album gehört hat, denn da wurde von „ beängstigend eingängigen Midtempo-Pop-Nummern mit Schmackes“ und von „ zeitlosen Melodien, die zeitgemäß umgesetzt wurden“ geschwärmt und dem, nicht mehr ganz so neuen, Fräulein Wunder ein Image angedichtet, das vollmundig mit den Worten „ Abba meets Gewen Stefani“  umschrieben wird. Die müssen einfach ein anderes Album gehört haben! Mein Exemplar von „ Enjoy the ride“ ist nämlich nur pisellige 34 Minuten lang und voll von ödestem, anstrengend fröhlichem Plastikpop , eher wie  Natascha Thomas im Zuckerkoma als irgendwas, das auch nur entfernt an Gwen Stefani erinnert. Jetzt mal ernsthaft, klar, ich motze gerne, aber dieser Silberling ist so was von dermaßen zweit-  und teilweise sogar drittklassig und so was von unerträglich mittelmäßig, dass ich echt kein gutes Haar an der Frau lassen kann. Selbst ihr Produzent und Songschreiber Jörgen Elofsson scheint ihr nicht wohlgesonnen zu sein. Oder wie kann man es sich erklären, dass er für Künstler wie Celine Dion und Britney Spears schon Hits ohne Ende gebaut hat und Marie mit so seelenlosem Mist abspeist?

Nun, wenn eine Künstlerin ein doofes Lied singen muss, hat sie immer noch die Möglichkeit, mit einem tollen Video von der ganzen Misere abzulenken. In Maries Fall hätte das auch gut klappen können, denn bis vor nicht all zu langer Zeit war Marie ja nicht nur Model, sondern ein generell sehr hübsches Ding, groß, gesunde Bräune und ein natürlicher Look, wo man gerne mal das eine oder andere Auge riskiert hat. Aber das war einmal, denn Marie hat nicht nur eine künstlerische Wiedergeburt  hinter sich, nein, sie wurde, haltet euch fest, als Jessica Simpson-Klon wieder geboren!!!!

Als ich kürzlich zum ersten Mal das Video zur ersten Single „ Thats the way my heart goes“ sah, dachte ich zuerst wirklich, es sei Jessica Simpson mit Stimmverlust. ( ok, Frau Simpson ist keine Leuchte aber, man hat die ne Stimme!!) Blondiert bis zum Abwinken und bis auf die Farbe von kalifornischem Klärschlamm hochgebrutzelt stand sie da, in dünnste Stoffe und Kunstpelz eingenäht und weibsteufelte als wäre sie gerade von der Stange gerutscht. Was kann man dazu sagen außer…nun..tragisch? Mein persönlicher Rat: verweigern und ignorieren! Es ist Frühling und wir bekommen bestimmt bald einen Sommerhit kredenzt, mit dem wir noch genug am Hals bzw. am Ohr haben, da brauchen wir  nicht auch noch Frau Serneholts Gewimmer.

Wer trotzdem nicht abgeschreckt ist, kann auf  www.viva.tv erfahren, was Marie am liebsten isst und, welches Sternzeichen sie hat. Wer auch nur für 5 Cent Würde hat, macht einen Bogen um „ Enjoy the ride“ und investiert das sauergesparte Taschengeld lieber in Pinks  „ Stupid Girls“ , da wird nämlich erklärt, wie man Schicksale wie das von Marie verhindern kann und warum so ein Dasein in keiner Weise erstrebenswert ist. www.pinkspage.com

Bericht:  Danielle de Santiago

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