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Interview mit: Tourmanagerin Looloo Murphy und Soundtechniker Smoju Paju

Die Menschen im Schatten einer Band

Dieses Interview beschäftigt sich mit den Leuten, auf dessen Mithilfe eine Band sehr angewesen ist, die aber für die Masse der Fans unsichtbar sind. Um mehr über die Aufgaben und die Wichtigkeit dieser Berufe zu erfahren, trifft events-und-trends-Autorin Daniela Kasper die beiden Hauptakteure im Hintergrund.

Wir befinden uns in der Bochumer "Zeche" am 18.11.2005. Der Winter und viele schwarzgekleidete Menschen stehen vor der Tür. Im Backstagebereich wartet Looloo, eine blonde Amerikanerin gespannt auf ihr Interview. Wie sie der Autorin mitteilt, kommt es nicht gerade oft vor, dass man sie interviewen möchte. Was sie uns über ihren Beruf mitteilt, ist in den folgenden Zeilen nachzulesen.

Wie kamst du auf die Idee, Tourmanagerin zu werden?

Für mich war es praktisch ein Unfall. Mein Freund spielte in einer Band. George Michael, der sie managte, sprach mich an und so bin ich irgendwie dort hin geraten.

Bei wie vielen Bands warst du schon?

Bevor ich als Managerin arbeitete, war ich Produzentin bei MTV. Deswegen habe ich schon mit hunderten von Bands zusammen gearbeitet. Es waren so viele, ich kann sie gar nicht alle aufzählen.

Wie lange bist du mit The Rasmus auf Tour?

Diese Tour endet erst einmal in Warschau. Dann geht es für ein Konzert nach Venezuela und für 2 nach Indien. Danach gibt es eine kurze Pause, bis dass es im Januar wieder weitergeht.

Welche Arbeit muss ein Crewmitglied erledigen?

Es kommt darauf an, welche Arbeit man erledigt. Jeder hat seine feste Aufgabe. Es klappt nur, wenn sich alle verstehen. Meine Aufgabe ist komplizierter. Ich bin die Mutter, die Managerin, die große Schwester, die Therapeutin und ich muss alles planen. Ich muss darauf achten, dass auch alles sauber ist und die Jungs sich duschen.

Wie ist es, als einizge Frau mit so vielen Männern auf Tour zu sein?

Klasse! Alle haben ein Lächeln für mich und sind tatsächlich zuvorkommend. Sie achten auf mich. Wenn ich einen schlechten Tag habe, bauen sie mich auf. Ich glaube, wenn ich ein Mann wäre, würden sie das nicht tun. Also diese Jungs sind alle nett. Auf anderen Touren gibt es mindestens einen, den man am liebsten killen möchte. Aber diese Jungs sind alle lieb zu mir und sie erledigen ihre Arbeit dabei auch noch perfekt.

Wie bekommt man diesen Job, ohne vorher Kontakt zu einer Band zu haben?

Das ist unmöglich. Du musst einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und die richtige Person treffen. Das ist alles. Man muss in diesem Job wie eine Familie zusammenhalten. Es ist ein sehr persönlicher Job. Du lebst sehr lange Zeit auf sehr engem Raum zusammen. Zu The Rasmus bin ich gekommen, weil Marek Lieberberg einen neuen Tourmanager suchte. Er fragte mich, ob ich den Job übernehmen möchte. Am Freitag war das Gespräch und den nächsten Dienstag musste ich dann schon nach Helsinki.

Ich denke, dass du einen Mann oder Freund hast. Was sagt er dazu, dass du so oft fort bist?

Ich hab einen Exmann (lacht). Es ist sehr schwierig, eine Partnerschaft zu erhalten. Du bist immer sehr lange unterwegs. Man muss sich von daher gegenseitig sehr vertrauen. Das fällt vielen schwer. Wenn man aber mit jemandem zusammen ist, der so einen ähnlichen Job hat, geht es einigermaßen, denn er hat Verständis dafür. Aber mit jemand anderem ist es sehr schwierig.

18/11/05

Es ist Valentinstag und unser Weg führt uns dieses Mal nach Hannover in die AWD-Halle. Dort findet heute ein finnischer Dreier-Gig statt: HIM, The Rasmus und Negative. 4500 Fans stehen bereits wartend vor den geschlossenen Türen. Zur Cateringzeit betreten wir den Backstagebereich, in dem sich die Bands sowie deren Hintermänner/frauen tummeln. In der gemütlichen Küche wird das Gespräch mit dem Soundtechniker durchgeführt.

Wie nennt man deinen Job?

Der Job heißt Tontechniker. Er unterscheidet sich aber von der Arbeit eines Tontechnikers im Studio. Im Studio muss man sich um die Aufnahmen kümmern und auf Tour ist man eigentlich für fast alles verantwortlich. Ohne den Techniker läuft nichts. Ich hab aber auch ziemlich viele Nicknamen.

Welche Ausbildung braucht man für den Job?

Es gab bei uns keine Schule, um den Job zu erlernen. Wir bringen uns das alles selbst bei.

Das sieht aber alles sehr kompliziert aus!

Ja, du musst natürlich an allem, was am Mischpult passiert, interessiert sein. Man muss über das ganze Equipement Bescheid wissen. Heutzutage gibt es glaube ich sogar schon Schulen, um den Beruf zu erlernen. Ich weiß allerdings nicht, ob man da wirklich gut auf den Beruf vorbereitet wird. Ich finde es besser, wenn man alles selbst herausfindet, wie alles funktioniert. Das hat einen größeren Lerneffekt, als dass man alles nur theoretisch erklärt bekommt. Learning by Doing. Es ist schon schwierig, weil es immer etwas Neues ist. Es ist ein sehr verantwortungsvoller Job. Wenn der Sound nicht stimmt, kann man den ganzen Gig vergessen.

Weshalb hast du dich für diesen Job entschieden?

Es war praktisch ein Unfall. Mein Cousin hatte eine Bigband und er brauchte dringend jemanden, der sich um den Sound kümmerte.

Also wolltest du eigentlich etwas anderes werden?

Nein, nicht wirklich. Ich bin in eine Musikschule gegangen, damit ich Gitarre spielen lerne.

Warst du von Anfang an bei Bands oder fingst du in Clubs an?

Ich hab mit der Bigband angefangen. Wir sind in Clubs aufgetreten und hatten viele Shows.

Seit wann bist du bei The Rasmus?

Ich bin jetzt seit 5 Jahren bei The Rasmus. Das fing mit Minifestivals an und ich war nebenbei noch bei einer anderen Band. The Rasmus hatten zu dieser Zeit keinen Soundtechniker. Sie nahmen damals gerade ihr Album "Into" auf, das dann später in Finnland ein Erfolg wurde. Sie brauchten also dringend einen Soundtechniker, also jemanden, der auf alles, was mit dem Sound zu tun hatte, achtete.

Warum bist du denn zu The Rasmus gegangen?

Warum nicht? Haha.

Hat dich jemand danach gefragt?

Ja! Aki und Lauri haben mich gefragt.

Ich glaube, du kamst zu der Zeit zu The Rasmus, als Aki auch neu in der Band war, oder?

Ich glaube, er war da schon ein Jahr dabei. Aki spielt ja jetzt schon 6 Jahre bei The Rasmus.

Mit welchen Bands warst du denn vor The Rasmus unterwegs?

Oh! Da gab es viele finnische Bands. Die Namen werden dir nichts sagen. Ich war 10 Jahre bei einer international bekannten finnischen Band. Mit der Band war ich dann auch zum ersten Mal in Deutschland. Das war 1988/89.

Bist du neben The Rasmus noch mit anderen Bands unterwegs?

Nicht jetzt. The Rasmus nehmen meine ganze Zeit in Anspruch. Ich hab gar keine Zeit mehr für andere Bands. Mal sehen, was in der Zukunft passiert, was die Band so vorhat und ob ich in Finnland dann Zeit für andere Sachen finde.

Also bist du überall dabei?

Ja, Südamerika und Südafrika kommen noch, ich war auch schon in Dubai.

Magst du es, auf Tour zu sein oder hättest du manchmal lieber einen "normalen" Job?

Das ist nun mal mein Job. Ich muss und möchte dieses Leben führen. Ich hab gar keine Zeit, etwas anderes zu machen. Wenn ich nicht auf Tour bin, bin ich mal zu Hause. Da kümmer ich mich dann um Familie und Freunde.

Spielst du auch ein Instrument?

Ein bischen Gitarre. Ich bekam die Gitarre mit 34. Von da an fing ich an, Unterricht zu nehmen. Die Band hat mir einiges beigebracht. Und dann besuchte ich noch eine Musikschule, um es besser zu lernen, z.B. die richtige Technik.

Akkustik- oder E-Gitarre?

Beides. Ich habe verschiedene Gitarren: E-Gitarre, Akkustikgitarre und Ukulele.

Wie ist es mit mehreren Crews auf Tour zu sein?

Echt nett. Man kennt sich ja untereinander. Ich hatte ein paar Shows mit HIM, als sie ihr erstes Album veröffentlicht hatten. Das waren so ungefähr 3 oder 4 Shows. Deshalb kenne ich die Band. Ich war in einem Rockclub in Helsinki und dort haben sie oft gespielt. Jetzt haben sie einen neuen Soundtechniker, den ich vor dieser Tour noch nicht kannte.

Teilt ihr euch die Arbeit untereinander?

Nein! Jeder ist für seine Band verantwortlich. Aber den Sound checken wir alle zusammen. Also arbeiten wir irgendwie doch zusammen, aber irgendwie auch nicht. Ich helf den anderen aber gerne.

Ist es nicht anstrengend, immer so lange aufzubleiben und so früh aufzustehen?

Das ist das einzige, was mich wirklich total stört.

14/02/06

Dies war nur ein kleiner Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen. Man merkt, dass ohne die Leute im Hintergrund kein Konzert so wäre, wie man es geboten bekommt. Somit ein Dank an alle Leute im Hintergrund!

Interview by Daniela Kasper

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