Interview mit: Mikko (von Hertzen Brothers)

Von Hertzen Brothers

Die drei finnischen Brüder, die seit ca. einem Jahr The Rasmus Fans ein Begriff sein sollten, wollen demnächst auch in Deutschland auf Erfolgskurs gehen. Mit ihrem mittelerweile 3.Album haben sie eine große Fangemeinde in Finnland errungen. An Silvester 2006 habe ich die Chance, Mikko, den Sänger der Band zu einem Interview zu treffen. Was mir direkt positiv auffällt, Mikko hat keinerlei Starallüren, das obwohl die von Hertzen Brothers für den finnischen Grammy Award nominiert sind, um nur ein Beispiel zu nennen. So setzen wir uns in das Virgin Oil, einer finnischen Konzerthalle, in Helsinki (Finnland), in dem heute Abend auch das Konzert der 3 Brüder stattfindet. Das Question&Answer mit Mikko beginnt:

Direkt zum Anfang möchte ich wissen, wieso ihr euch dazu entschieden habt, euere CDs mit dem noch recht neuen Recordlable Dynasty Recordings zu verkaufen. Dynasty Recordings wird ja unter anderem von Lauri Ylönen und Pauli Rantasalmi geleitet. Wie habt ihr überhaupt von dem Lable erfahren?

Ich kannte The Rasmus schon vorher. The Rasmus war damals eine sehr junge Band und ich spielte in einer bekannten finnischen Band. So kam es, dass The Rasmus damals in der gleichen Venue wie wir spielten. Da lernten wir uns kennen. Wir erfuhren davon, dass sie ein Recordlable gründen wollten und dann hatten wir dort unser Album beendet, welches Lauri und Pauli wirklich toll fanden. Vorher waren wir bei BMG, die mit Sony zusammen arbeiten, da passierte vieles, sodass wir zu Dynasty Recordings wechseln wollten. Wir wollen ja schließlich das beste Lable haben.

Wieso nanntest du deine Band von Hertzen Brothers? Es wundert mich, da es ja schließlich kein typisch finnischer oder englischer Name ist.

Nein, das ist eigentlich nur unser Familienname. Wir haben uns dazu entschieden, unseren Familiennamen als Bandnamen zu wählen. Meine Brüder und ich wissen nicht genau, ob unsere Familie aus Deutschland oder aus Holland stammt. Unser Familienbuch ist nämlich im 17. Jahrhundert mitsamt einer Kirche verbrannt worden. Da es deutsch klingt, denke ich, haben wir deutsches Blut in unseren Adern. Unsere Familie kam über Schweden dann schließlich nach Finnland.

Woher kennt ihr euch in der Band gegenseitig? Seid ihr wirklich Brüder?

Ja, wir sind Brüder. Also in unserer Band sind wir drei Brüder und haben noch zusätzlich einen Drummer und einen Keyboarder.

Sind diese nur bei Auftritten dabei?

Nein, sie sind auch an den Aufnahmen beteiligt.

Plant ihr, euere Musik auch in andere Länder zu verkaufen?

Ja, wir haben unser Album bis jetzt schon in Skandinavien veröffentlicht. In Deutschland gibt es vier Recordlables, die uns haben wollen, doch wissen wir noch nicht, für welches wir uns entscheiden sollen.

Braucht man für jedes Land ein spezielles Lable?

Man kann auswählen, ob man ein großes Lable haben will, das dann in der ganzen Welt die CDs verkauft. Bei uns ist das in Skandinaiven Universal. Aber für den Rest wählen wir vielleicht ein großes Lable aus Deutschland, aber das is eigentlich Aufgabe des Managements.

Wer von euch schreibt denn die Songs?

Das mache ich.

Steckt hinter eueren Songs eine bestimmte Message?

Ich glaube, mein Leben hat viel Einfluss auf meine Musik. Ich habe viele Jahre lang in Indien gelebt und dort vieles erlebt, z.B. deren Kultur. Eigentlich ist es schwer, die Lyrics zu erklären, jeder muss sie für sich selbst interpretieren.

Träumt ihr davon, irgendeinen Künstler zu featuren?

In der Rockmusik ist es ja wirklich neu, jemanden zu featuren, z.B. wie Lauri von The Rasmus und Ville von HIM Apocalyptica für den Song Bittersweet gefeatured haben.Ich habe da noch nicht drüber nachgedacht. Eigentlich gefällt mir die Idee nicht, dass man probiert, seine Musik besser zu verkaufen, indem man große Künstler featured. Ich find es aber cool, wenn man eine Stimme der Musik hinzufügt, wenn es wirklich gut passt. Aber wir würden so etwas nicht machen, wie "Hej Ville, sing doch mal mit uns, dann können wir unsere CDs besser in Deutschland verkaufen!". Als Musiker macht man keine Musik, nur weil man CDs verkaufen will, sondern weil man Musiker sein will, also nicht kommerzielles. In Finnland läuft es bei uns wirklich gut, unsere Shows sind ausverkauft und unsere CDs werden gerne gekauft.

Hast du auch etwas anderes gelernt, neben der Musik?

Ja, einiges sogar. Ich habe eine Ausbildung als Hotelmanager gemacht. Als ich in Indien war, habe ich ein Hotel geleitet. Mein großer Bruder macht sehr gute Musikvideos und mein kleiner ist sehr interessiert an Biologie. Jetzt konzentrier ich mich auf die Musik. Als ich nach Indien gezoen bin wollte ich deren Musik kennenlernen, die wirklich total verschieden zu unserer ist.

Was inspiriert dich, Songs zu schreiben?

Ich lese viel. Vor allen Dingen Philosophisches und Gedichte. Daher kommen die Lyrics. Die musikalischen Einflüsse kommen aus den 70ern, da waren Bands wie z.B. Led Zeppelin und Pink Floyd aktuell. Als wir 15-jährige Teenager waren, das ist ja bekanntlich die Zeit, die einen musikalisch prägt, die Musik die man dann mag, wird man sein ganzes Leben lang mögen. Ich mochte damals eben diese Bands. Das war für die damalige zeit Heavy Metal oder Hard Rock. Ich hörte auch sehr gerne Queen. Wir in Finnland haben wirklich tolle aktuelle Bands. Aber ich denke, wir sind immer noch eine andere Art Rockmusiker in Finnland, als es die anderen sind, da wir schon etwas älter sind. Andere Bands sind eben noch jünger und als diese 15 waren, hörten sie Nirvana. Vielleicht ist unsere Vorstellung von Musik größer, da wir schon seit 20 Jahren Musiker sind.

Hat sich dein Leben verändert, als du in Finnland erfolgreich wurdest?

Nein. Ich baue immer noch selbst auf und schleppe meine eigenen Kisten. Das einzige, das sich verändert hat ist, dass man sich sicher sein kann, dass man die Möglichkeit hat, noch ein weiteres Album herauszubringen. Es gibt ja leider viele Bands, die erfolgreich werden und dann nach dem Motto handeln, ein Album nach dem anderen zu veröffentlichen und ich denke, dass das falsch ist. Wir machen das lieber in Ruhe, haben gute Songs und ausverkaufte Gigs.

Hast du immer davon geträumt, Rockstar zu werden?

Nun ja, bei mir war das so, dass ich im Alter von 2 Jahren anfing, Luftgitarre zu spielen. Ich bin mit dem Traum, Musiker zu werden, aufgewachsen und hatte niemals an etwas anderes gedacht, als in einer Band zu spielen und in dem Punkt waren wir alle drei gleich. Eine band von meinem Bruder war einst die größte Band in Finnland , jeder kannte ihn. Mein Vater hat mich mit der Musik immer unterstützt, als ich Schlagzeug spielen wollte, gab er mir sofort die Chance dazu. Er wollte, dass ich diesen Weg gehe.

Kommt ihr alle aus Helsinki?

Ja, wir wohnen hier. Aber ich lebte einige Zeit auch in London und eben in Indien. Ich hab immer noch ein Wohnung in Indien, wo ich hinflüchte, um neue Lyrics zu schreiben.

Jetzt, wo das Thema "Superstars" wieder aktuell ist, was hälst du von solchen Castings?

Das witzige an der Sache ist, dass ich eine Vorschau zu "Idols" (finnische Version von Deutschland sucht den Superstar) gesehen habe und der erste Song, den ich hörte, war unser. Ich hab den Song nicht auf den Dächern Indiens geschrieben, damit er in der Vorschau von "Idols" endet, das war so ein bisschen deprimierend. Ich mag lieber diese Leute, wie z.B. Ville Valo, ich kannte ihn schon, da war er noch ganz klein und spielte Bass in einer unbedeutenden Band in Finnland. Er hatte sehr viel Talent und wusste, was er wollte. Er brauchte kein "Idols", um bekannt zu werden. Er machte das, was er für richtig hielt. Und was ist aus ihm geworden? Einer der größten internationalen finnischen Sänger! Viele Leute in diesen Shows haben Talent, aber sie wollen lieber den einfachen Weg gehen. Sie wollen sich direkt im Fernsehen sehen und am nächsten Tag gefeierter Superstar sein. Ich denke, es ist schöner zu sehen, wenn sich eine Band langsam entwickelt. Lauri Ylönen war 15 als er über die ersten Bühnen hüpfte und The Rasmus brauchten für diesen Erfolg keine Castingshow. Diese Leute schreiben ja auch nicht ihre eigenen Songs, das macht dann irgendein Songwriter. Ich mag es auch nicht, wie die Leute in solchen Shows behandelt werden, viele Gefühle werden dort durch harte Worte verletzt. Worte, die man bis an sein Lebensende behält.

Welche Musik hörst du privat?

Ich höre eigentlich nicht sehr viel Musik, da mein Job schon so viel mit Musik zu tun hat. Aber eigentlich viel indische Musik. Es gibt auch ein paar finnische Bands, die ich sehr mag. Ich höre auch öfters HIM, wenn sie proben.

Hast du ein Lebensmotto?

Ich bin sehr altmodisch in solchen Sachen. Ich glaube, das wäre "Leute sollten nett zueinander sein", denn es gibt keinen Grund, das nicht zu sein. Wieso tun Leute anderen immer etwas an, was sie selbst nicht mögen würden?

Spielst du lieber in Clubs oder auf Festivals?

Für mich ist performen, performen. Es macht keinen großen Unterschied, ob ich nur für euch oder für 10000 Leute spiele. Natürlich ist es schön, wenn Leute kommen, um die Show zu sehen. Das ist dann eine super Atmosphäre. Wenn man merkt, dass die Leute Interesse an der eigenen Musik haben, ist das toll. Wir drei Brüder haben mal nur eine Show für unsere Großeltern gespielt, da sie zu alt sind, um auf Gigs zu gehen. Das war genau das gleiche Gefühl, wie das was man hat, wenn man vor einem großen Publikum spielt. Manchmal nervt es, wenn man auf Tour ist, wenn man jeden Tag die gleichen Band und Crewleute sieht. Umso interessanter ist es, wenn man neue Leute und alte Freunde trifft.

Welche Sprachen sprichst du?

Englisch, Finnisch, Schwedisch, ein bisschen Französisch, ein bisschen Indisch und ich verstehe Deutsch, da es Schwedisch sehr ähnelt. Es gab deutsche Leute in Indien, die kein Englisch konnten, also verstand ich immer ein bisschen, was sie sagten.

Vor ein paar Tagen gab es in Helsinki den Gig, "Rock against drugs", wo unter Anderem Naked auftraten. Was hälst du von solchen Aktionen und würdest du dort mitmachen?

Würde ich definitiv! Eigentlich bin ich eine langweilige Person, ich trinke nicht, ich rauche nicht und ich nehme keine Drogen. Jeder muss das für sich selbst entscheiden, aber für mich ist es so das Beste. Früher habe ich getrunken, bis dass ich an den Punkt gekommen bin, dass ich es nicht mehr wollte und habe mir dann gesagt, dass ich das eigentlich nicht mag.

Was denkst du über Fans, die ihre Idole kopieren?

Wir waren vorhin am Nosturi, da haben Bloodpit heut Abend ihren Gig. Da saßen tatsächlich schon einige Mädchen im Regen. Ich bin echt froh, dass wir nicht solche Fans haben. Wieso sitzen die freiwillig 12 Stunden im Regen, nur um in die erste Reihe zu kommen? Wenn Leute zeigen, dass sie ihre Idole mögen, ist das vollkommen okay, aber wenn die Leute aussehen wie tot, dann ist das auch nicht Sinn und Zweck der Sache, das amchen hier aber viele Fans. Die finnische Rockszene kann man gut mit Herr der Ringe vergleichen. Da haben wir Lordi, das sind dann die Orks. Als nächstes haben wir HIM, die ebenfalls mächtig sind und dann haben wir noch The Rasmus , das sind die Hobbits und Lauri ist Frodo (lacht). Und ich hab einmal darüber nachgefacht, was wir wohl sind, wir sind die Elfen.

Magst du irgendwelche Sportarten?

Ja Cricket. In Indien mag jeder Cricket. Um das Spiel spannend zu finden, muss man die Regeln können.

Hast du ein Lieblingstier?

Ich mag Pandas und Koalas.

Kannst du auch deren Stimme imitieren?

Oh, sie machen so ein komisches Geräusch, so laut und kratzig. Du kannst ja einfach schreiben, ich hab genau das Geräusch nachmachen können (lacht).

Was denkst du über die Altersbegrenzungen in finnischen Rockbars, wie 24?

Das finde ich zu streng, vor Allem in Restaurants und Rockbars, wie Eatz oder On the Rocks. Rockmusik ist doch für junge Leute. Ab 16 oder ab 18 wäre doch okay.

Interview by Daniela Kasper

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