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JAHEIM / GHETTO CLASSICS

Das erste Mal habe ich Jaheim in New Orleans gehört. Ich saß im Café du Monde und aus einem vorbeifahrendem Auto hörte ich ein Stück von Jaheims erster Single „Could it be„.

Was soll ich sagen? Ich war sofort begeistert! Jaheim war zwar nicht das was ich eine Offenbarung nennen würde, aber immerhin klang er als wäre Marvin Gaye aus dem Grab auferstanden und würde zur kollektiven „Nächstenliebe“ auffordern.

Kurz darauf folgte auch schon sein erstes Album „Ghetto Love„, eine rundum gut durchgetüftelte Scheibe. Besonders „Could it be“ und „Anything“ hatten es mir angetan. Sicher, es gibt tausende dieser wunderbaren jungen Talente, die in armen Verhältnissen groß werden, zuerst Gangmitglieder und Drogendealer sind, nur um dann im örtlichen Gospelchor auf den rechten Pfad zu finden, ihr Goldkehlchen entdecken, goldene Schallplatten produzieren und das Ghetto dann schnell hinter sich lassen.

Bei Jaheim ist das ein bisschen anders. Erstens scheint er keine Pläne zu haben, das Ghetto zu verlassen (immerhin hieß die erste Platte „Ghetto Love„, die zweite „Still Ghetto“ und das neue Werk hört auf.. ja, genau, auf: „Ghetto Classics„) und zweitens hat er eine komplett eigene Schublade für seine Musik gefunden: den Ghetto Soul.

Er kombiniert die Themen des Straßenalltags mit einer Gesangsweise, die normalerweise den Lovesongs der Altmeister wie Luther Vandross und Maxwell vorbehalten ist.

Das schränkt seine Thematik zwar ein und ist auf die Dauer von drei Alben nicht unbedingt abwechslungsreich, aber gottverdammt, der Mann ist eine Nachtigall in Baggypants! Seine Stimme ist so heiser-sinnlich wie Barry White (total überschätzt!) es immer sein wollte und sein Gesang ist so dermaßen gekonnt, dass man ihm das Potential einer männlichen Sade durchaus bescheinigen kann, die hat sich ja auch nie weiterentwickelt und ist trotzdem nach wie vor der Wahnsinn in Tüten.

Das Jaheim uns nun schon solange beglückt, haben wir übrigens seinem Großvater allgemein und Mister KayGee im besonderen zu verdanken. Besagter Großvater war zufällig Mitglied der berühmten The Driffters und KayGee ist ehemaliges Mitglied von Naughty By Nature und gab Jaheim einen Vertrag bei seinem Label „Divine Mill„, wo er schon Künstler wie Zhane und Next untergebracht hatte. Aber ich schweife wieder mal ab.

Jaheim wurde also unter Vertrag genommen und hörte auf, Drogen und selbstbesungene Tapes auf der Straße zu verticken. Stattdessen bastelte er mit Hilfe von KayGee ein Album zusammen, dass mit seinem Mix aus entspannten Old School Beats, 70er Jahre Motown Soul und gelegentlichen Hip Hop Einflüssen wegging wie warme Semmeln und sofort in die Top 10 einstieg. Nicht übel für ’nen Jungen mit hässlicher Nase, (als hätte er eins mit Big Mamas Bratpfanne bekommen!) der dazu auch noch aus New Brunswick stammt.

Das folgende Album könnte man eigentlich mit genau den selben Worten umschreiben, und auch „Ghetto Classics“ hält an altbewährter Rezeptur fest und sollte evt. besser mit „Jaheim Classics“ betitelt werden. Auf „Ghetto Classics“ wird wie schon zuvor geschmachtet als stände uns morgen das jüngste Gericht ins Haus, da wird bewiesen wie „Street“ und „real“ Mister Jaheim ist und dass alles getragen von seiner ölig-warmen Stimme, die unter Garantie dafür sorgt, dass es bei seinen Konzerten wieder komplette Victorias Secret Ausstattungen auf die Bühne regnen wird. Besonders angetan haben es mir die Stücke „Everytime I think about her“ (dieser Song ist, unterstützt von Jadakiss, die erste Singleauskopplung), „I ain’t never“ (einfach relaxter Jaheimsound im Stil von „Could it be“), „Daddything“ und zu guter Letzt „Like a DJ„, ein Song der mit seinen mid-tempo Beats aus dem ansonsten eher relaxten Albumkonzept deutlich hervorsticht.

Ok, ich gebe es zu, textlich jagt da wieder ein Klischee das Nächste, aber das tut dem Ohr nicht weh und bricht dem Zuhörer auch keinen Zacken aus der Krone. Mein persönlicher Rat: Konsumieren! Sofort! Jaheim ist zwar noch immer kein D‘ Angelo und wird auch weiterhin „Ghetto Irgendwas Alben“ produzieren, aber der Mann ist stimmlich auf der Höhe und so was von hörenswert, dass alles andere eine Sünde wäre.

Wer sich selbst ein Bild von seiner verhackstückten Nase machen möchte oder einfach nur in die neuen Songs reinhören mag, kann das auf Jaheims Homepage machen.

www.jaheimmusic.com

Bericht: Danielle de Santiago

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