In Deutschland findet zur Zeit wieder das internationale Fantasy Filmfest statt. Die nächsten Stationen sind Köln, Hamburg und Berlin, siehe auch www.fantasyfilmfest.com. Bei den vielen Vorstellungen diverser Phantasie und Horrorfilmen, werden nur zwei deutsche Produktionen präsentiert. Einer dieser Beiträge nennt sich „Happy End“ des Regisseurs Daniel Stieglitz, ein Film, der bereits gute Kritiken bekommen hat. Für eine der männlichen Rollen konnte der junge Regisseur den Schauspieler Erwin Leder verpflichten, unter anderem bekannt aus „Das Boot“ und „Schindlers Liste“. Die weibliche Hauptrolle der Ida übernahm Schauspielerin Katharina Schwarz, die bereits eine beachtliche Karriere vorweisen kann. Von 1994 bis 2000 moderierte sie verschiedene TV Magazine wie X-Base, ein live Jugendmagazin im ZDF, es folgte Heart Attack, eine Singleshow auf TM3, Clubhouse auf DF1 und SAT1 und schließlich FILM AB auf VIVA, als Vorgängerin von Jessica Schwarz.
Gespielt hat Katharina schon seit 1997 im TV (z. B. „Aus gutem Hause“, „Ein Pfundskerl“, „Der Bulle von Tölz“ u.v.m.). Für ihre Ausbildung zur Schauspielerin in Köln beendete sie ihre Moderationskarriere, und ging schließlich auch von dem Filmmagazin „FILM AB“ bei Viva, um sich ganz auf die Schauspielschule einzulassen. Nach erfolgreichem Abschluß der Schauspielschule zog es die Künstlerin nach Berlin, wo sie seit dem singend und spielend auf diversen Theaterbühnen stand und besonders im sozialen Bereich eigene Projekte in Sachen Regie realisierte. (Theaterregiedebüt des eigenen Stückes Mad-chen, 2 mal Tipp des Tages in den Stadtmagazinen Zitty und Tipp; 3 HipHop-Projekte mit jungen vorbestraften Männern, filmische Dokumentation über Schöneberg 30 und deren kriminelle Jugend…). Zur Zeit konzentriert sich Katharina Schwarz wieder verstärkt um die eigene Schauspielerei, allerdings nicht ohne ein paar „Herzensprojekte“ weiter zu führen: die Fertigstellung ihres Romans „Besser als Liebe“ (über das Gefühlswirrwarr einer werdenden Frau), der auch verfilmt werden soll, ein Mädchenhiphop Projekt, in dem misshandelte Mädchen MUT auf Leben machen, und ein Projekt gegen sexualspezifische Ungerechtigkeiten wie Zwangsverheiratung.
Im TV sah man die viel beschäftigte Künstlerin zuletzt im April in der „SOKO KÖLN – Der Totschläger“ (Regie Kai Pieck) in der Hauptrolle Britta Schwertfeger, die Hauptverdächtige, sowie in „GROßSTADTREVIER“ als Hauptverdächtige (Regie Lars Jessen).
Nun folgt der Auftritt im Horrorfilm „Happy End“, parallel dazu läuft in Toronto der kanadische Film „The Tourist“, in der sie auch die Hauptrolle spielt und der für mehrere Film Feste in Nordamerika und Kanada eingeladen wurde.
Wir trafen Katharina Schwarz nun zu einem Interview.
Hallo Katharina. Was passiert in „Happy End“? Welche Geschichte wird da erzählt?
„Happy End“ erzählt die Geschichte eines einst angesagten jungen Schriftstellers auf der Suche seines verloren gegangenen Erfolges. Den Ausweg aus seiner Verzweiflung findet er, als er in eine schreckliche Geschichte verwickelt wird, und so von seinem eigenen Problem abgelenkt, sich um andere kümmernd schließlich doch zu gewünschtem Erfolg kommt.

Beschreib uns doch mal Deine Rolle!?
Ich spiele Ida, die Freundin des Schriftstellers, deren Weltbild auf Erfolg aufgebaut ist. Auf den ersten Blick hat Ida ihr Leben im Griff, wäre da nicht das plötzliche Versagen ihres einst so total angesagten Freundes Leo, mit dem sie offensichtlich glänzen wollte, und es gar nicht mehr so toll findet, dass Leo plötzlich voller Angst, Druck und Geldsorgen steckt. Andererseits ist das mit Leo für sie doch mehr als sie sich zugestehen will, und ihn so leiden zu sehen berührt sie wirklich. Hin und her gerissen zwischen der Hoffnung, dass doch noch alles gut wird und der Kapitulation vor Leos Selbstaufgabe verlässt sie schließlich „das sinkende Schiff“…
Wie hast du diese Rolle bekommen? Wie muss man sich das Casting zu einem Horrorfilm vorstellen?
„Happy End“ ist kein Splatterfilm, und der Regisseur hat uns Schauspieler nicht auf „Gruseltauglichkeit“ oder so geprüft, wobei ich tatsächlich schon mal für einen amerikanischen Fantasy-Moovie auf einem Casting gegen blutrünstige Luftgegner ankämpfen musste, was ich eher zum kaputt lachen fand. Hier hat sich Daniel diverse Bänder angesehen, sein Buch geschickt, sich mit Schauspielerinnen getroffen, viel geredet und sich für mich entschieden.
Ist die Atmosphäre bei einem Horrorfilm auch sehr gruselig? Oder geht es da eher lustig zu?
Wir haben „Happy End“ in einem alten Haus in Bayern gedreht, und nachts in der gruseligen Deko, die fast vollständig in das alte Haus gehörte, hätte ich nicht alleine sein wollen. Der Vollmond, die Stimmung, das Licht und die gruselige Idee der Geschichte haben es mir leicht gemacht mich zu fürchten. Ich war froh, dass vieles davon am Tag gedreht wurde. Es ist schon ein besseres Gefühl nach so einer Szene raus zu gehen und alles ist wieder hell und freundlich. Danach wollte ich nicht nachts alleine im Hotel sein.
Wie lange habt ihr an dem Film gedreht? Und hast du den fertigen Film auch schon gesehen?
Ich war ungefähr 2 Wochen mit am Drehort. Die gesamten Dreharbeiten gingen aber länger.
Das Genre Horrorfilm wird in Deutschland noch nicht oft bedient. Ist es möglich, hier gute Horrorfilme zu produzieren?
Ich finde, das junge Team hat wirklich professionelle Arbeit geleistet. Damit ein Horrorfilm nicht platt wird braucht man neben einer richtigen Handlung vor allem gutes Licht und Bilder die beleben. Da das Team fast in diesem Haus lebte und sich förmlich darin verkünstelte (der Lichtmann bastelte abenteuerliche Lichtquellen, der Kameramann ging weit über das Ende seiner Kräfte um viel echte Nachtstimmung zu erfassen, alle halfen und dachten mit und in den Pausen spielte der Regisseur Gitarre….ein Dreh, wie ich ihn mir immer gewünscht hatte) kommt das wohl irgendwie rüber.

Interessiert dich als Schauspielerin das Genre Horror, welche Rollen spielst du gern?
Eigentlich mag ich überhaupt keine Horrorfilme. Als ich das Buch zum ersten Mal las, war ich von meiner Rolle Ida und ihrem Verhältnisse zu Leo so angetan, dass ich erst mal nicht weiter über den Horroraspekt des Filmes nachdachte. Ida merkt ja auch im Film nicht wirklich sofort, dass es gruselig ist. Ich habe mir sagen lassen, dass der Film echt gruselig sein soll, was mich freut und nicht freut, weil ich selbst gruseln doof finde. Bin halt ein alter Angsthase.
Was war Dein erster Gedanke, als man dir diese Rollen angeboten hat und wo lag da die Herausforderung?
Zuerst habe ich das ganze gar nicht richtig ernst genommen. Als ich dann das Buch las, sah ich eine tolle Herausforderung in Idas Zerbissenheit. Ich habe mich erst sehr spät beim Regisseur gemeldet, und der wollte eigentlich schon gar nicht mehr mit mir drehen weil ich mich so lange nicht gemeldet hatte. Als wir dann lange persönlich Gespräche führten, war es dann klar, dass wir das zusammen machen wollen.
Was sind Deine nächsten Projekte?
Gerade läuft der Film „The Tourist“ auf diversen Festivals in Kanada. Internationale Projekte reizen mich schon sehr, aber eigentlich möchte ich am liebsten von uns Deutschen erzählen. Eines meiner Projekte ist die Verfilmung meines Buches „Besser als Liebe“, in dem es über die ganz normale Verrücktheit einer jungen Frau in Deutschland geht. Liebend gerne würde ich auch eine Geschichte wie die meiner Großmutter spielen, die mit ihren fünf Kindern aus Breslau floh im Krieg, jeden Tag einen Brief an ihren Mann schreibend, immer auf das positive achtend, unerschütterlich ehrlich und stark. Jetzt spiele ich erst mal mit einer Hand voll sehr guter Schauspieler eine Woche nonstop….mal sehen was dann kommt…
Warum bist du nach einer erfolgreichen Moderationskarriere Schauspielerin geworden?
Was magst du an Deinem Beruf?
Ich war begeistert von der Schauspielerei – mehr als von der Moderation – vor allem, weil ich als Schauspielerin eine größere künstlerische Entfaltungsfreiheit gesehen habe, und mehr Spiel, Spaß und Leichtigkeit. Moderation machte viel Spaß, aber zu spielen hatte ich einfach mehr Lust. Die Schauspielschule zeigte mir dann auch den Ernst der Schauspielerei insofern, als dass ich nicht die Möglichkeit bekam beides gleichzeitig zu machen (im tiefen Prozess einer Schauspielausbildung mal eben zweimal die Woche nach London fliegen um auf Premieren Partys Interviews mit Stars zu machen war der Demut vor dem Beruf, den man uns mit zu geben versuchte, nicht gerade förderlich.
Ich sehe mich heute als Schauspielerin als eine Schraube des gesamten Filmes, der aus ganz vielen kleinen Schräubchen besteht. Keine ist wichtiger oder unwichtiger als die anderen; wenn eine Schraube fehlt funktioniert gar nix mehr. Im Theater sagt man ja auch das Ensemble ist immer so stark wie sein schwächstes Glied. Ich liebe es, in einem Ensemble, einer Gemeinschaft zu arbeiten, wie ich sie nur bei Schauspielerin gefunden habe. Außerdem hatte ich auch einfach Lust auf das Abenteuer Reise ins Innere der Katharina Schwarz – und dahin gehe ich immer wieder – bei jeder neuen Rolle.
Liebe Katharina Schwarz, wir wünschen dir für Deine Filmprojekte und Deiner weiteren Karriere alles Gute und viel Erfolg. „Happy End“ wird zu folgenden Terminen beim Fantasy Film Fest gezeigt:
14. August – Köln, 17 Uhr Cinedom / Kino 6
19.August – Hamburg, 21 Uhr 15 Cinemaxx / Kino 2
22.August – Berlin, 17 Uhr, Cinemaxx/ Kino 6
Fotos von Katharina Schwarz von John Maibohm / Berlin.
Interview by Olaf Demmerling

