Interview mit Ville Valo, HIM (12.02.2006)

Heute trifft envents-und-trends-Autorin Daniela Kasper den Sänger Ville Valo von HIM. Es ist der 12.02.06 und wir sind im Cateringbereich des Kölner "Palladiums". Dort erwartet uns ein nett grinsender, rauchender Ville, der es sich auf einer Bierzeltbank bequem macht. Nach einer netten Begrüßung findet folgendes Gespräch statt:

Wann hast du angefangen ein Instrument zu spielen?

Also, eigentlich als ich 7 war. Bass und Gitarre.

Und wann fingst du an zu singen?

So mit 13 oder 14.

Hast du schon einmal an ein Featuring gedacht? Wenn ja, wen?

Wir hatten schon ein paar Gastsänger auf unseren Alben. Und ich war auch schon öfters bei anderen Bands zu Gast. Wir nehmen es sehr einfach. Aber ich finde es nicht sehr interessant. Es ist langweilig, denn jeder feat. irgendwen. Nur die Sache mit Lauri von The Rasmus und Apocalyptica war irgendwie lustig. Es hatte so etwas Besonderes. Das war echt cool! Der Song hieß "Bittersweet".

Welche Fragen nerven dich in einem Interview?

Keine!

Wirklich nicht?

Okay. Fragen über das Privatleben. Wir machen nun mal Musik. Das ist ein Teil unseres Lebens. Und dann ist da noch das Privatleben – mit Freundinnen, Frauen, Kindern. Das ist der Platz, zu dem wir immer wieder zurück kommen, z.B. nach einer Tour oder Promotion. Dann wollen wir uns auch einfach mal hinsetzen und Fernseh gucken, eben ein ganz normales Leben führen.

Wann habt ihr euch kennengelernt?

Also der Bassist und ich kennen uns bereits seit wir 9 oder 10 waren. Wir haben uns in der Schule kennengelernt. Wir haben zu dieser Zeit in verschiedenen Bands gespielt. Die anderen haben uns einfach so gefunden. Wir kennen uns schon wirklich gut. So ungefähr seit 15 Jahren.

Wann habt ihr beschlossen, eine Band zu gründen?

Ich habe mein ganzes Leben lang Musik gemacht. Jedem aus der Band ging das so. Also mussten wir wohl eine Band gründen. Wir machten zusammen viel Musik und fanden es dann gut, durch die Welt zu touren. Dann hatten wir auf einen Plattenvertrag gehofft. Wir waren also tatsächlich so gut, dass es klappte. Wir sind echt froh darüber. Ich wollte nie etwas anderes machen.

Habt ihr viele Plattenfirmen angeschrieben?

Nein! Wir haben unsere Texte und Songs selbst geschrieben und dann zu einer Plattenfirma geschickt. Da waren wir dann einige Zeit, aber haben die Plattenfirma dann später gewechselt.

Habt ihr früher damit gerechnet, so bekannt zu werden?

Also wir sind echt gut bekannt. Das hört sich besser als berühmt an. Wir waren viel auf Tour und wurden da durch ziemlich bekannt. Keine Band ist gerne erfolgslos.

Ward ihr von Anfang an sehr erfolgreich?

Nein! Es ging in kleinen Babyschritten vorwärts. Es ist erst seit 5 Jahren so, dass wir so erfolgreich sind, dass wir keine Zweitjobs mehr brauchen. Wir können nur von der Musik leben.

Hast du schon immer auf Englisch gesungen?

Ja. Wir sind mit Black Sabbath und Led Zeppelin aufgewachsen. Das hat uns echt geprägt. Daher war es für uns normal in Englisch zu singen und außerdem gibt es ja nicht gerade viele Leute auf der Welt, die Finnisch sprechen. Das wär nicht so international und somit nicht das, was wir uns erhofft haben.

Habt ihr denn schon einmal einen finnischen Song aufgenommen?

Ja in Finnland. Da war ein Projekt, als ein bekannter finnischer Musiker starb. Da gab es eine Fernsehshow dazu und ich sang ein Featuring dafür.

Was willst du den Leuten mit den Songs vermitteln?

Nicht nur an sich selbst zu denken. Es ist vor Allem an die jungen Leute gerichtet, die sich gegen alles auflehnen – gegen ihre Eltern, ihr Land und gegen die Religion, ohne etwas darüber zu wissen. Es ist blöd sich gegen die Eltern aufzulehnen. Denn ohne die Eltern wäre man ja gar nicht vorhanden.

Warum nennt ihr euch "HIM" (His Infernal Majesty)?

Der Name ist an Black Sabbath orientiert. Wir wollten einen gruseligen Namen. Deshalb nannten wir uns His Infernal Majesty. Das war aber ein zu langer Name und deshalb auch schwer zu merken. Somit haben wir ihn auf HIM gekürzt.

Hast du schlechte Angewohnheiten?

Ich rauche zu viel.

Wie viele Zigaretten am Tag?

3 bis 6 Schachteln am Tag. Okay, das ist echt ein bischen viel. Ich versuche es zu verringern.

Worüber sind deine Lyrics?

Über Gefühle. Finnland ist nicht wirklich ein religiöses Land. Ich habe noch nie Lyrics über Religion oder Politik geschrieben. Die politische Situation in Finnland ist sehr gut. Es gibt keinen Grund, Punk zu sein. Ich schreibe lieber Lovesongs. So wie Elvis Presley oder Neil Young. Sie haben es auch bevorzugt, über Emotionen zu schreiben.

War es immer dein Traum, Musiker zu werden?

Ich empfinde es nicht als Job. Es ist eher mein Hobby. Es ist eine Lebensweise. Ich bekomme zwar Geld dafür, aber das ist nicht der Grund, weshalb ich Musiker bin. ich mache es, weil es mir Spaß macht. Es hält meinen Kopf zusammen. Neue Songs zu schreiben macht mich glücklich – es ist aber auch sehr persönlich.

Wenn du einen Song covern würdest, welcher wäre es?

Wir haben schon sehr viel gecovert. "Can't help falling in love with you" von Elvis Presley, das wär ein toller Song.

Hast du es je für möglich gehalten so eine Tour wie diese zu starten? Also mit The Rasmus und Negative?

Es war meine Idee! Ich habe gehofft, dass jeder erreichbar ist und Zeit hat und dass die anderen auch Interesse daran hätten. Und sie fanden es zum Glück toll! 3 Jahre früher hätten wir so etwas nie für möglich gehalten. Aber es ist echt lustig. Wir haben jetzt die Möglichkeit als Freunde durch Deutschland, die Schweiz und Österreich zu touren. Wir haben viele Freunde um uns rum. Und wir haben die gleichen Busse. Das ist schon sehr interessant.

Was braucht HIM, um erfolgreich zu bleiben?

Zu überleben. Denn es gibt viele andere Bands. Wir müssen uns immer weiter entwickeln und neue Sachen ausprobieren. Wenn du ein Jahr sehr erflogreich bist, heißt es nicht, dass du es im nächsten Jahr auch noch bist. Du musst also hart arbeiten.

Ist das der Grund, weshalb ihr nach Amerika gefahren seid, um das neue Album auf zu nehmen?

Nein. Der Hauptgrund war, dass unser neuer Produzent ein Engländer ist und seit 10 Jahren in Amerika lebt. Damit er nah bei seiner Familie ist, sind wir also zu ihm nach Amerika gefahren. Er lebt mit seiner Frau und den Kindern in LA. Das ist der Grund, weshalb wir das Album dort in 2 Monaten aufgenommen haben. Die Trennung von seiner Familie wäre sonst zu lange für ihn gewesen.

Bist du gerne in Deutschland auf Tour?

Ja. Deutschland ist das erste Land, nach Finnland, in dem wir sehr bekannt wurden. Die erste Tour hier war 1998. Und jetzt touren wir bereits das 8. Jahr durch Deutschland. Das ist sehr cool.

Kannst du Tierstimmen immitieren?

Tiere? Wuff -> Das ist ein Hund. In Finnisch "hauhau".

Ein kleines Fazit nach diesem Gespräch: Ville ist ein sympathischer Typ, der auch für Späße zu haben ist.

Bericht: Daniela Kasper

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